#103 - Ich habe genung, BWV 82

Shownotes

"Die Musik von Johann Sebastian Bach kann uns in eine andere Welt entführen", sagt Countertenor Alois Mühlbacher. Und das passiert, wenn man diese bekannte Kantate hört. Wir erfahren über die Entstehungsgeschichte, schweifen ein wenig zur Matthäus Passion ab und stellen fest, dass auch die Zeile "Ich freue mich auf meinen Tod" in Bachs Musik hoffnungsvolle, bestärkende Musik sein kann.

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00:00:03: Kulturmenü,

00:00:06: der Podcast

00:00:07: mit Angelika

00:00:08: Ordner.

00:00:12: Ich spreche mit meinen Gästen über bekannte Musikstücke

00:00:15: aus allen

00:00:16: Stil- und Zeidepochen.

00:00:19: Wir hören passende Musikbeispiele und versuchen in unseren Gesprächen einen neuen Zugang zur Musik zu ermöglichen.

00:00:30: Johann Sebastian Bach komponierte zahlreiche Kantaten für den Sonntagsgottesdienst.

00:00:36: Die Inhalte waren auf dem jeweiligen Sonntag im Kirchenjahr abgestimmt, Bach lieferte also fast jede Woche ein neues Werk.

00:00:45: Darüber haben wir schon in Folge neunundsebzig gesprochen.

00:00:48: Jesus bleibt meine Freude aus der Kantate.

00:00:50: Herz und Mund und Tat und Leben war hier das Thema aber heute geht es um eine von Bachs bekanntesten Kantaten.

00:00:59: Im Februar, nur wenige Wochen vor der Uraufführung der Matthäus-Passion erklang in der Leipziger Nikolajkirche erstmals die Solo-Kantate.

00:01:09: Ich habe genug.

00:01:11: Sie entstand für das Festmarier Lichtmess dessen liturgischer Mittelpunkt weniger die Verehrung Marias als vielmehr die Offenbarung Christi als Erlöser ist.

00:01:21: Ausgangspunkt des Librettos ist die Begegnung des Kreisen Simeon mit dem Jesuskind.

00:01:27: Nachdem er den Messier erkannt hat, empfindet er sein Leben als erfüllt und kann in Frieden Abschied von der Welt nehmen.

00:01:34: Eben mit dem Worten Ich habe genug!

00:01:37: In eindringlichen Bildern entfaltet die Kantate den Gedanken des seligen Loslassens unter christlichen Todessehnsucht

00:01:44: Und

00:01:44: Bach findet dafür eine Tonsprache von großer Innigkeit und starker Intensität.

00:01:51: Ihre große Wirkung verdankt die Kantate allerdings nicht großem Koa-Klang, festlicher Pracht oder dramatischen Effekten.

00:01:58: All das fehlt hier!

00:02:00: Ich habe genug.

00:02:01: ist ein intimes klein besetztes Werk von emotionaler Direktheit

00:02:06: und Ehrlichkeit

00:02:07: – mehr menschlich als himmlisch.

00:02:11: Gerade

00:02:11: diese stille

00:02:12: Unmittelbarkeit macht diese Kantate auch weit über ihren religiösen Kontext hinaus so berührend und

00:02:19: zeitlos.".

00:04:15: Meinen heutigen Gast haben wir gerade singen gehört.

00:04:18: Der Countertenor Alois Mühlbacher war bei seinem Debüt in der Wiener Staatsoper fünfzehn Jahre alt, er sinkt auf den bedeutendsten Bühnen im In- und Ausland von der Mailender Skala bis zum Theater an der Wynn.

00:04:29: als Solist tritt er mit renommierten Assembles auf und gründete gemeinsam mit seinem Mentor Franz van Berger das Barock-Assemble Pallidor.

00:04:38: Und seit zwanzig vierundzwanzig ist er außerdem Intendant des Barockfestivals Sankt Bölten.

00:04:44: Alois, wie hast du denn diese Kantate für dich gefunden?

00:04:47: Wolltest du das immer schon mal singen oder war das ein Vorschlag von Franz Farnberger?

00:04:53: Als Kind hatte ich gar nicht so den Zugang zu Johann Sebastian Bach.

00:04:57: Wir haben natürlich immer wieder Werke von ihm auch in Coa gesungen bei den Sängerknaben und ich habe dann auch einmal in der Johannes-Passion die Sobranare gesungen damals in Ravenda, ich glaube dabei, dreizehn oder vierzehn Jahre alt.

00:05:11: Ich kann mich nicht erinnern, ich habe die Musik eher als mathematisch empfunden und es hat mich nicht wirklich berührt.

00:05:17: Ich hatte keinen Zugang zu Johann Sebastian Bach könnte man sagen.

00:05:22: das hat sich dann aber als ich neunzehn war sehr stark verändert und so ich hatte eine Anfrage von Martin Haselböck mit ihm in der Akademie Die Hamolmesse von Bach zu musizieren also all solo Und auch die gesamten Chöre mitzusingen.

00:05:38: Und das war natürlich besonders, weil die Hamolmes ist sehr schwer auch im Chor zu singen.

00:05:44: Ich hab mich sehr lange damit beschäftigen müssen und habe da wirklich einige Wochen diese Partie studiert und war dann wirklich fasziniert von dieser Musik und völlig verliebt.

00:05:57: So ist irgendwie die Liebe zu Johann Sebastian Bach entstanden und seither ist es für mich das größte eigentlich was man singen kann und was man interpretieren kann Zugang zu dieser Musik gefunden.

00:06:09: Und das ist natürlich keine Kunst, denn viele Musiker sagen dass natürlich das Johann Sebastian Bach vielleicht der größte Komponist aller Zeiten ist.

00:06:18: aber wie gesagt für mich hat sich das erst später eröffnet und so ist dann auch die Idee entstanden einmal diese berühmten Kandaten, die ich natürlich kannte.

00:06:27: also vergnügte Ruhe.

00:06:28: Ich habe genug und ausgewählte Areas verschiedene Kandarten aufzunehmen Und ich habe genug, mir ist natürlich einer der schönsten Kantaten und wir haben uns dann entschieden eben das mit unserem Ensemble zu machen.

00:06:40: Eigentlich ist dieses Ensemble Palidor auch genau aus dieser Idee heraus entstanden dass wir nämlich Bachkantaten in unserer Interpretation – uns meine ich Franz Farnberger und meiner Interpretations so wie wir uns das vorstellen praktisch zu klang bringen.

00:06:59: Und dann haben uns gedacht, wir brauchen dafür ein ideales Ensemble mit dem wir das umsetzen können.

00:07:05: und so haben wir Freunde gefragt angefangen bei Hubert Hoffmann, Nina Pohn die die Konzertmeisterin ist.

00:07:10: Andreas Helm hat die Oboe gespielt Ein fantastischer Oboist Also wirklich.

00:07:15: Peter Trefflinger, Erich Traxler an der Orgel ganz wichtig auch Bei der anderen Kandate die auf dieser neuen CD Brocken Ice ist nämlich vergnügte Ruvorm am Ende eben Die obligate Orgel eine große Holla spielt.

00:07:28: Und so haben wir eben ein Ensemble aus Freunden zusammengestellt, die ich natürlich aus verschiedenen Konstellationen – das anderen Konstellations von Barock Ensembles schon kannte.

00:07:38: Die haben mit uns dieses Projekt verwirklicht und ich glaube es ist zumindest für mich etwas Besonderes geworden weil auch das erste Projekt mit Pallidor ist und weil auch die ganze Atmosphäre und Umgebung bei dieser Aufnahme speziell war.

00:07:51: Ja ihr habt sie in einer Kirche aufgenommen nicht im Studio?

00:07:54: Genau!

00:07:56: Wirklich an zwei Orten aufgenommen, auch in zwei verschiedenen Sitzungen.

00:08:00: Und das Besondere an dieser CD ist eben die obligate Orgel und die haben wir wirklich mit einer großen Kirchenordel besetzt.

00:08:09: Und wir haben sie in Scherding gefunden, die ja für fünfzehn gestimmt ist.

00:08:13: also das muss man natürlich auch finden dass überhaupt eine Kirchenorgel praktisch im alten Stimton als im barocken Stimton ist wo es dann zu den Instrumenten passt Und da sind wir eben in Scherding-Fündig geworden und dann haben wir die verglückte Ruhe aufgenommen.

00:08:29: Ich will auch mit gebrochenen Augen und da merkt man wirklich einen großen Unterschied zu anderen Aufnahmen, wenn dann diese große Kirchenorgel praktisch kontinuo und als Soloinstrument zum Klang kommt wie sich der Klang auch des ganzen Werkes verändert, wie es damals auch zur Barszeit immer erklungen ist.

00:08:48: Diese Droonorgel praktisch, wie wir sie heute öfters hören, das ist ja eigentlich eine Erfindung könnte man sagen, dass das modernen Konzertbetrieb es einfach viel kompatibler ist.

00:08:58: Weil man nicht immer eine große Kirchenorgel zur Verfügung hat.

00:09:02: Den zweiten Teil also auch ich habe genug wo die Orgel nicht so eine große Rolle spielt sondern hier eben die Oboa als großer Solo-Instrument als Duett eigentlich mit der Singestimme ständig fungiert ist praktisch dann aufgenommen worden in St.

00:09:18: Florian, in der Marienkabelle auch ein wunderbarer Ort.

00:09:21: und natürlich passt es auch noch zu diesem Fest für das die Kandate geschrieben wurde.

00:09:27: Und es war auch in St Florian eine besondere Stimmung.

00:09:30: also es war überhaupt eine besonderen Erfahrung mit diesen Musikern gemeinsam diese schöne Musik zu musizieren.

00:09:37: Na und Sankt Florian passt ja auch Perfekt zu dir, weil das sind ja deine Wurzeln.

00:09:41: Deine Musikalischen

00:09:42: auch?

00:09:42: Genau!

00:09:42: Ich bin ja Sengagnaven-Sankt Florian gewesen, bin mit zehn Jahren dort ins Internat gekommen und seither steht eigentlich das Singen im Zentrum meines Lebens Und ich habe eben das Glück dass ich so früh

00:09:57: schon

00:09:57: ... wie soll man sagen meine Lebensaufgaben in einem gewissen Sinn irgendwie gefunden habe und konnte mich dann seither darauf fokussieren und konzentrieren.

00:10:08: Wir haben jetzt Schon gehört, mehrmals.

00:10:11: Ich habe im Intro da und gesagt ich habe genug und du sagst ich habe genug.

00:10:17: Erklär doch mal warum es da einen Unterschied gibt?

00:10:20: Genau also das steht glaube ich in den originalen Noten.

00:10:24: Also einfach das alte Deutsch sozusagen.

00:10:27: Manche haben mir dann auch gesagt, man musste sich habe Genunk aussprechen.

00:10:30: Da hat es selbst im Ensemble wo wirklich sehr viele Spezialisten gesessen sind oder sitzen da hat's auch da unterschiedliche Meinungen diesbezüglich gegeben.

00:10:40: wir haben uns dann auf eine Mischung geeinigt ich habe genug.

00:10:43: das ist mir auch am logischen erschien dass man es so ausspricht wie es steht aber doch doch irgendwie natürlich genug wäre mir dann ein bisschen zu unnatürlich gewesen Volksmund oder überhaupt bekannt ist, die Kandate natürlich als ich habe genug.

00:11:01: Ja und deshalb hab' ich jetzt auch dauernd ich habe Genug gesagt und du sagst Genug.

00:11:06: Also unabhängig davon dass das Werk eine Herausforderung für jeden Interpreten ist wenn du jetzt sagst du hast die Musik über dieser also die Musik von Bach über das Sakrale kennengelernt.

00:11:18: ja Wenn du das jetzt zingst oder wenn es du hörst Ist es mehr Meditation, also Meditation ist vielleicht... ...ist es mehr Trostspenden für dich oder ist es mehr Entspannung von der Musik her?

00:11:35: Das ist vielleicht wie bei jeder Musik.

00:11:36: Wenn man wirklich den Zugang findet und sich total auf die Musik einlässt und in der Musik lebt und in da Musik dann vielleicht auch singt,... ...dann ist man irgendwie der Welterpampen gekommen.

00:11:49: in einen gewissen Sinn fragt sich gar nicht mehr, was das jetzt für ein Zustand ist.

00:11:55: Sondern man ist einfach in diesem Zustand.

00:11:57: Das ist vielleicht doch auch eine Art Meditation nämlich dass man wirklich im Jetzt ist.

00:12:00: Ich habe beim Singen oft das Gefühl, dass ich alles andere rundherum vergessen kann und dass ich wirklich in manchen Momenten direkt in der Musik bin und dass praktisch die Zeit in einem gewissen Sinn keinen Stellenwert mehr hat in dieser Form.

00:12:16: Und das ist das Besondere und das vermarkt schon die Musik von Johann Sebastian Bach sehr, sehr stark.

00:12:20: Also auch wenn ich ins Konzert gehe und mir eine Matthäus-Passion oder eine Johannes-Passions anhöre – oder eben verschiedene Kandaten – es kann einen so berühren und mitnehmen in diese Welt, in dieser Klangsprache, dass man wirklich versinkt und nur in der Musik ist.

00:12:37: geht es mir zumindest.

00:12:39: Das heißt, die Musik kann natürlich auch berühren wenn man nicht diesen religiösen Zugang hat weil gerade bei dieser Kandate ist das ja haben wir ja wie wir gehört haben schon einen sehr sehr religiösen oder sagen wir mal einen sehr göttlichen Zugang.

00:12:53: Kann man das ausblenden?

00:12:56: Oder darf man's ausblendet?

00:12:58: Ich glaube schon ich glaub schon dass man es ausblende darf und Trotzdem, dass es natürlich in einer gewissen Sinne auch einen großen Stellenwert für Johann Sebastian Bach gehabt haben muss damit er überhaupt diese Musik komponieren kann und zu dieser Musik kommt.

00:13:13: Und das ist aber trotzdem auch für nichtgläubige Menschen oder für Menschen das Ganze irgendwie von einer anderen Sicht sehen wollen vielleicht der Beweis sein kann, dass etwas Größeres geben muss denn diese Musik schafft es eben einen wirklich zu entführen in eine andere Welt.

00:13:33: Und ich glaube, das ist auch ein schöner Beweis dafür dass es nicht nichts ist.

00:13:40: Du hast vorhin gesagt die Oboa ist ein ganz wichtiger Part innerhalb des Assembles weil die OBoA ja so ein Dialogpartner für deine Stimme ist.

00:13:49: Genau!

00:13:49: Das heißt der Sänger ist eigentlich nie allein.

00:13:52: Ja na das ist ein schönes Duet könnte man sagen und In diesem Fall war es besonders schön, weil Andreas Helm ein großer Künstler ist am Instrument.

00:14:05: Man kann sich die Farbe der Oboe und auch die Gestaltung fast abnehmen und versuchen gemeinsam einen Weg zu finden.

00:15:37: von dem Ursprung der Kandate, weil eigentlich hat J. Bach die ganze Kandade für Basstimme komponiert und zwar für den Sänger Johann Christoph Samuel Lipsios.

00:15:49: Ist ihr da schon mal untergekommen?

00:15:50: Kennt man den?

00:15:51: Ja das glaube ich auch gelesen damals woher die Kandarte praktisch Stammt und für wen sie ursprünglich geschrieben wurde, aber grundsätzlich ist man der Sänger jetzt da kein

00:16:01: Gericht.

00:16:01: Ist ja nicht so bekannt.

00:16:02: Jedenfalls das ist der gleiche, der in der Matthäus-Passion die ganze Jesuspartie und alle Arien von dem Chorus primus gesungen hat bei der Uraufführung von der Matthäos-Passions.

00:16:13: Und dann nach seinem Studio hat er Leipzig verlassen und Bach hat die gesamte Kandate fast glaube ich zwanzig Jahre gar nicht mehr aufgeführt voran Stimme geschrieben und da kommst jetzt eigentlich du ins Spiel.

00:16:30: Erzähl mal von der Stimmlage, wir hören uns nachher noch die tiefe Lage auch an.

00:16:34: aber was ist denn das Schöne oder Berührende wenn Du diese Kandate mit Deiner Konter, die nur auf Stimme singt?

00:16:40: Ja ich glaube das ist natürlich warum das für einen Bass geschrieben ist es ja ganz logisch von der Geschichte her wie Du selbst vorher erzählt hast das geht um den Kreisen Simeon der praktisch das Jesus Kind in den Arm hält und dann so erfüllt ist, dass er sterben kann.

00:16:58: Dass er jetzt bereit ist für das ewige Leben oder wie auch immer, dass es so erfült ist.

00:17:03: Und deswegen passt natürlich ein Bass – also stellt man sich das vor – ein alter Mann einen weißer Kreiser, der dann das Kind in dem Arm hält.

00:17:13: Und dann hat Bach das, wie du richtig gesagt hast, in einer Sobranfassung für eine Sobraneszen geschrieben hat natürlich dann einen ganz anderen Ausdruck, das ganze viel Ätherische mit der Höhe.

00:17:27: Natürlich kommt auch eine andere Farbe und eine andere Stimmung in das ganze Stück.

00:17:31: In meinem Fall ist es so ich habe eigentlich die Bass-Version gesungen, eine Octave höher.

00:17:36: also im C-Moll steht das und das ist weil ich praktisch alt bin.

00:17:42: also passt es dann wieder zusammen Und wenn das Encounters sind, hat es natürlich auch wieder eine andere Stimmung wie bei einer Sobranistin.

00:17:52: Ich glaube aber dass es ganz einen besonderen Reiz hat weil eben da wieder andere Farben zum Klingen kommen und dadurch vielleicht auch dieser meditativen Zustand in einer anderen Form erreicht werden kann Denn Encounterna durch diese Randschwingung der Stimmlippen also die man praktisch verwendet entstehen ja manchmal eben so ätherische Klänge, wo man das Gefühl hat die Zeit bleibt stehen.

00:18:20: Und da tut sich vielleicht ein Countdown noch leichter solche Stimmungen manchmal zu erzeugen durch diese Höhe auch und einfach die Klangfarbe der Stimme als vielleicht einen Bass, der das eher mit voller Stimme singen muss oder sinkt?

00:18:35: Ja, man muss sich ja nicht entscheiden.

00:18:37: Man kann sicher beide anhören.

00:18:40: Ich möchte noch ganz kurz zur Matthäus-Bation was sagen... Dort findet man die Erbarme, die Chariere.

00:19:25: Also wir haben hier gehört jetzt ein kurzes Vorspiel und die Anfangsmelodie, die ja genauso ist wie bei dem Beginn von.

00:19:32: Ich habe genug.

00:19:33: Hören wir nochmal den Beginn wenn du ihn singst?

00:20:01: Und das ist jetzt ... Du hast vorhin gesagt von anderen Schwingungen und so.

00:20:05: aber es ist ja trotzdem mit der exakt gleiche Stimmung und des Fakts vor allem mit dem gleichen Intervall an mit der kleinen Sext.

00:20:13: und jetzt war die Kantate vor der Matthäus-Passion.

00:20:17: Ich finde das immer so spannend, wenn man so Sachen findet wo die Komponisten von sich selber was noch

00:20:22: einmal lieben.

00:20:23: Da waren natürlich die Barockkomponissen besonders schlau.

00:20:25: also Bach hat ja viele da gibt es ja ganz viele Beispiele wo er praktisch die die gleiche Melodie wiederverwendet hat mit anderem Text usw.

00:20:34: Also zum Beispiel Der Chor Jauft Z. Froh Lockett ist vorher schon in der weltlichen Gandate tönet, ihr Pauken ja Schalle Trompeten vorgekommen und so weiter.

00:20:43: Also da gibt es bei Bach sehr viele Beispiele wo er die selbe Melodie mit anderem Text usw.

00:20:49: oft wirklich ganz an einem Text und es passt trotzdem und mit ganz anderem Ausdruck auch des Textes.

00:20:55: also zum einen eine Liebeserklärung und zum anderen dann irgendeine schreckliche Nachricht.

00:21:01: Und ich glaube das ist auch der Beweis dafür dass diese Musik Auch ohne Text funktioniert und dass einfach die Emotion dahinter ganz klar auch ohne Text eben rüber kommt.

00:21:14: Und der Text ist natürlich dann ein übergeordneter Transporteur praktisch, der nochmal eine Lade drauf

00:21:27: setzt sozusagen

00:21:28: Und das ist dann ganz toll.

00:21:31: Wie du richtig sagst, hat sie sich ja ganz oft von eigenen Stücken inspirieren lassen und die eben wieder verwertet.

00:21:38: So ist er vielleicht auch in manche Melodien und in manchen Stimmungen noch tiefer getrunken und hat da noch viel mehr entdeckt.

00:21:47: Ja außerdem wie ich ja gesagt habe wenn der jede Woche was Neues abliefern musste...

00:21:51: Das geht ja fast nicht!

00:21:52: Das sind nur neue Sachen obwohl er wirklich Ja, was das betrifft.

00:21:56: Also da gibt es viele Komponisten die unbeschreiblich beeindruckend sind, dass die Produktion der Werke betrifgt.

00:22:03: aber Bach ist sicher einer der eindrucksvollsten diesbezüglich?

00:22:06: Ja und wenn man sich dann noch dahinein denkt ja weil ich meine das sind so Dinge die man vielleicht außer Acht lässt wie heute Noten geschrieben werden oder wie heute komponiert wird.

00:22:14: Ich mein die haben damals Kerzenlicht gehabt und eine Tinte und eine Feder und um die ganze Schreibarbeit.

00:22:22: also das ist dann auch nochmal Anders gewesen, vor dreihundert Jahren und länger.

00:22:28: Ja was wir jetzt noch gar nicht gesagt haben die Kandate hat fünf Sätze wobei der dritte glaube ich jetzt das bekannter bekannteste Teil ist.

00:22:37: Das ist das Wiegenlied.

00:22:38: das heißt schlummert ein ihr matten Augen Wenn man das jetzt ein bisschen pathetisch vielleicht ausdrücken möchte, eigentlich ein Wiegenlied des Todes.

00:22:47: Weil es sagt ja, dass einen schlummern soll und nicht an Schlaf sein sollen soll er eigentlich der Tod sein.

00:22:52: Obwohl das natürlich trotzdem eine ganz friedliche Stimmung verbreitet.

00:24:29: Ist das für dich mehr Schlaflied oder ist es ein Abschied?

00:24:33: Also ich hab die ganze Kandate wie ich sie damals gesungen habe und auch im Konzert verkürztem gesungen haben hat für mich überhaupt nicht irgendwie Abschiedskarakter oder einen irgendwie traurigen Charakter negativ besetzt, sondern ist eher wirklich eine Zuversicht.

00:24:53: Eine hoffnungsvolle Musik und ich glaube so ist es auch gemeint.

00:24:57: also das praktisch der Simeon wenn er das Jesuskind in den Arm hat praktisch dass er auch selbst keine Angst mehr vor dem Tod hat.

00:25:04: und so empfinde ich eigentlich diese Musik da sie einen bestärkt.

00:27:37: natürlich die letzte Ari ist dann schon vom Text her ein bisschen erschreckend.

00:27:44: Ich freue mich auf meinen Tod, denn niemand freut sich eigentlich wahrscheinlich auf seinen Tod.

00:27:51: und trotzdem ist die Komposition irgendwie so, dass man gestärkt aus dem Stück herausgeht.

00:27:58: also ich habe mir nie gedacht das ist jetzt gruselig oder das ist mir fremd sondern es hat mich positiv stimuliert.

00:28:06: Ja, es ist ja auch extrem festliche Musik.

00:28:09: Genau!

00:28:10: Und das ist irgendwie...hören wir uns doch einmal zuerst die tiefe Version an, den wir vorhin gesprochen haben, wo wir sagen können, da hören wir vielleicht die Altersweisheit durch oder die Reife jetzt nicht nur in der Stimme sondern auch in der Person.

00:28:24: Michael Volle singt Ja, dass ich schon wie wenn ein alter Mensch singen würde.

00:29:29: Aber wenn man jetzt nicht weiß... Wenn man das jetzt das erste Mal hört und dann beginnt der letzte Satz mit diesen Worten?

00:29:35: Ich freue mich auf meinen Tod!

00:29:38: Da erschrickt man schon ein bisschen vielleicht.

00:29:40: Also ich meine, hast du einen Feedback bekommen von deinem Umfeld oder von deinen Hörerinnen und Hörern?

00:29:47: Dass die ... Weiß ich nicht, wann die entsetzt... Oder fragen dich die Leute eh wahrscheinlich immer was macht denn das mit einem wenn man das singt?

00:29:54: Weil das will man ja nicht einmal aussprechen!

00:29:56: Geschweige den dauernden Kantillinen singen zehn Minuten

00:29:59: oder sechs Stunden.

00:30:00: Ja genau das stimmt.

00:30:00: Also überhaupt diese ganze CD ist ja eigentlich so die das Thema Tode sehen, sucht irgendwie behandelt.

00:30:08: Ich will auch mit gebrochenen Augen zu dir mein treuer Heiland gehen und so weiter sehen, glaube ich nicht gehen.

00:30:15: Also eigentlich jedes Stück in einem gewissen Sinn beschäftigt sich damit.

00:30:20: aber wie gesagt, ich glaube eben dass das alles nur eine Metapher praktisch ist für das man eher die Angst verliert vor diesen Dingen, die ja sowieso jedem irgendwann betreffen.

00:30:35: Und dass man einfach bestärkt durch diese Musik ist und auch bestärbt auf alle möglichen schwierigen Situationen oder einfach auf das Leben.

00:30:44: jeder Mensch hat seine Geschichte und seine verrückten Geschichten in der Geschichte, die er durchleben muss.

00:30:53: Dass man da einfach bestärt mit dieser Musik durchgehen kann Und die eigentlich eher tröstet und irgendwie ein guter Beistand ist, so sehe ich das auch.

00:31:06: Ich habe damals auch etwas Lustiges hier, verwende natürlich auch Social Media zur Bewerbung um in Kontakt zu treten mit meinem Publikum Und habe damals dann einen Ausschnitt aus dieser Ahre, ich freue mich auf meinen Trott gepostet.

00:31:20: Auf Instagram und hab mich auch gefragt wie wird das angenommen?

00:31:23: Und wird es irgendwie in den Kommentaren dann irgendwie warum singst du so was oder solche Dinge eben oder was soll das sein?

00:31:30: usw.

00:31:31: Überhaupt nicht in diese Richtung sondern eher einfach Begeisterung.

00:31:35: also ich glaube man überhört das dann auch weil die Musik eher eben so eine Festigkeit und so eine Kraft eigentlich hat, so eine Energie dass der Text eigentlich insofern wieder fast umgedreht wird.

00:31:50: Und ich glaube, das ist genau auch was Bach damit wollte, dass er nämlich diese Angst oder dieses Schreckensbild davor nimmt.

00:32:01: Ja und man darf auch nicht vergessen, dass ja zur Bachszeit die Sterblichkeitsrate extrem hoch war.

00:32:06: Jetzt auch bei den

00:32:07: Schindern...

00:32:07: Das ist doch viel

00:32:08: natürlicher wie bei uns und ich dachte, dass mein Jung stirbt usw.

00:32:12: Und das so zu verarbeiten war vielleicht damals leichter?

00:32:16: Weil du sagst, die Leute überhören das, vielleicht aber hören sie es auch weil man ja hört irgendwie sakrale Musik ist.

00:32:24: Wenn wir davon ausgehen, dass die glaubigen Menschen im Tod ... die Erfüllung oder ein weiter Leben sehen, dann ist es einfach nicht so tragisch.

00:32:33: Aber ich find's trotzdem tragisch zu sagen, freu mich auf meinen Tod!

00:32:37: Wir wollen alle leben, oder?

00:32:41: Und die letzten Worte, die du singst sind, ich freue mich auf mein Tod auch hätte er sich schon eingefunden.

00:32:49: Das heißt ... So richtig aus ist ja eigentlich nicht, ne?

00:32:53: Weil die ganze Kandate dreht sich nur darum, dass man endlich

00:32:57: sterben will.

00:32:58: Ersterbend

00:32:59: oder nicht!

00:34:59: Publikum nach Haus

00:35:01: Im Idealfall gestärkt und mit der Sicherheit, dass nichts passieren kann auch im Tod Und das man irgendwie vertrauen muss, dass es etwas Größeres gibt und geben wird Ja, die Ängste irgendwie beiseite lassen

00:35:21: kann.

00:35:21: Und mit diesen tollen Kantillinen genauer?

00:35:24: Genau!

00:35:24: Sehr gelungen auf deiner CD, Broken

00:35:26: Eyes.

00:35:28: Im Handlerhändlich auf meiner Homepage gibt's die...

00:35:31: Und wahrscheinlich bei deinem Barockfestival in St.

00:35:34: Bölten.

00:35:34: Genau von zehnten bis zwanzigsten Juni feiern wir in St.-Bolten-Zwanzigjahre Barock-Festival und ich habe auch mit meinem Ensemble-Pallet dort dieses Jahr das Eröffnungskonzert gestalten.

00:35:45: und wir haben ein besonderes Programm zusammengestellt Nämlich ein Programm mit Komponisten rund um die kaiserliche Hofmusikabelle, Josef I. Selbstkomponist und da haben wir auch das zentrale Stück ist sein Regina Zöhli.

00:36:00: Im Dom wird es erklingen.

00:36:02: also wir haben auch das Programm für den Dom konzipiert damit man diese spezielle Akustik im Sankt Böldner Dom ausnutzt sozusagen Und da freue ich mich schon ganz besonders darauf Ein Programm dass man nicht oft hört unglaublich schöne Musik beinhaltet, die man so eben nicht so gut am Markt kennt und die das auf jeden Fall verdient hat, groß ins Szene gesetzt zu werden.

00:36:26: Also nichts wie hin nach Sankt Felten?

00:36:29: Meine letzte Frage an dich!

00:36:30: Die bekommen

00:36:31: alle.

00:36:32: was können Kunst- und Kultur zu einer besseren Zukunft

00:36:35: beitragen?

00:36:35: Ja ich glaube Kunst und Kultur ist das Futter unserer Seele in einem gewissen Sinn.

00:36:42: es erfüllt Träume Fantasien Inspiration Alles das, was unsere Seele irgendwie, wonach unsere Seelei verlangt oder wonach sie sucht.

00:36:53: Was sich vielleicht auch nicht so denken mag oder traut.

00:36:56: Das kann Kunst erfüllen und ich glaube umso erfüllter wir Menschen sind, umso besser ist die Zukunft.

00:37:03: denn aus dieser Kraft heraus, aus dieser Energie, die uns die Kultur und Kunst gibt... Aus dieser entsteht ja alles andere meiner Meinung und man sieht leider in unserer jetzigen Welt das scheinbar vielerorts Kunst und Kultur fehlt, denn es würde wahrscheinlich anders aussehen wenn sich alle Menschen mehr damit beschäftigen könnten oder einfach mehr Futter diesbezüglich mehr Inspiration bekommen könnten.

00:37:32: Und das ist natürlich traurig anzusehen.

00:37:36: auf der anderen Seite muss man bei sich selbst anfangen und in diesem Umfeld arbeiten und agieren das einem zur Verfügung steht.

00:37:46: Und da sind wir, glaube ich auch mit diesem Gespräch vielleicht am guten Weg.

00:37:49: Dass man einfach so über diese scheinbar unwichtigen Dinge so groß spricht und so viel philosophiert und darüber nachdenkt.

00:38:01: Denn ich glaub das ist der Beginn, das ist das Samen von dem was dann entstehen kann in der Zukunft wenn man sich so einem Kunstwerk so hingibt und es so wichtig einschätzt Denn das verändert uns, ja also ich empfinde Kunst und Kultur als verändernd.

00:38:20: Und es gibt dann immer wieder auch die Möglichkeit Dinge im Leben ganz anders zu sehen.

00:38:26: aber da gibt's natürlich dann auch Erlebnisse Konzerterlebnisse Aber auch natürlich habe ich das schon mit Bildern der Kunst erlebt Die wirklich nachhaltig einen Person verändern.

00:38:37: Das ist wahrscheinlich genau das worum es geht.

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